S1/E3: Entscheidungen unter Unsicherheit - Warum erfolgreiche IT-Projekte mehr als perfekte Planung brauchen

Gast Dr. Frank Scholz weiß: Mittelstand und Großkonzerne entscheiden unterschiedlich, aber können viel voneinander lernen.

IT-Projekte scheitern heute selten an fehlenden Methoden. Viel häufiger verlieren sie an Geschwindigkeit, weil Entscheidungen vertagt, Risiken immer weiter analysiert und Verantwortlichkeiten verwässert werden. Gerade in Zeiten von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und wachsendem Veränderungsdruck reicht es nicht mehr aus, auf die perfekte Informationslage zu warten. Erfolgreiche Unternehmen schaffen es, auch unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben.
In der aktuellen Podcast-Folge von Projektmanagement im Glas spricht Christian Dürk gemeinsam mit Dr. Frank Scholz darüber, warum sich Entscheidungslogiken zwischen Konzernen und mittelständischen Unternehmen grundlegend unterscheiden und welche Erkenntnisse IT-Verantwortliche daraus für ihre eigenen Projekte ableiten können.

Geschwindigkeit entsteht nicht durch weniger Governance

Viele große Organisationen setzen auf zusätzliche Abstimmungsschleifen, Gremien und Dokumentationen, um Risiken zu minimieren. Die Folge: Entscheidungen dauern länger, Projekte verlieren an Dynamik und Marktanforderungen verändern sich schneller als die Planung.

Dabei ist Geschwindigkeit kein Selbstzweck. Sie entsteht dort, wo Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt sind, Entscheidungswege kurz bleiben und der Nutzen für das Unternehmen im Mittelpunkt steht. Nicht jede Entscheidung benötigt maximale Absicherung, sie benötigt den richtigen Entscheidungsrahmen.

Gerade in komplexen IT-Projekten bedeutet das, Projekte konsequent an ihrem Business Value auszurichten. Welche Maßnahme schafft den größten Nutzen? Welche Risiken sind akzeptabel? Welche Annahmen gelten heute und welche müssen morgen möglicherweise neu bewertet werden? Wer diese Fragen früh beantwortet, schafft Orientierung statt zusätzlicher Komplexität.

Führung bedeutet Verantwortung übernehmen

Viele Projekte leiden nicht unter fehlendem Fachwissen, sondern unter fehlender Entscheidungsklarheit. Wenn Verantwortung auf mehrere Gremien verteilt wird, fühlt sich am Ende niemand wirklich verantwortlich. Gleichzeitig ist die Gegenposition ebenso kritisch: Wenn sämtliche Entscheidungen an einer einzelnen Person hängen, entstehen Engpässe und unnötige Abhängigkeiten.

Erfolgreiche Projektorganisationen schaffen deshalb einen klaren Verantwortungsrahmen. Entscheidungen werden vorbereitet, diskutiert und transparent gemacht. Getragen werden sie jedoch von eindeutig benannten Verantwortlichen. Genau diese Balance zwischen Beteiligung und Verantwortung entscheidet häufig darüber, ob Projekte ins Stocken geraten oder konsequent umgesetzt werden.

Projektmanagement muss dem Business dienen

IT darf niemals Selbstzweck sein. Technologien, Prozesse oder Governance-Strukturen sind nur dann erfolgreich, wenn sie das operative Geschäft unterstützen.

Gerade deshalb beobachtet Corivus in vielen Kundenprojekten ein ähnliches Muster. Unternehmen investieren in neue Werkzeuge oder Methoden, ohne zuvor die eigentliche Herausforderung zu analysieren. Das Ergebnis sind aufwendige Prozesse, die zwar methodisch sauber wirken, den Projektalltag jedoch erschweren.

Unser Ansatz ist bewusst pragmatisch. Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir Projektmanagement-Strukturen, die zur Organisation passen, nicht umgekehrt. Ob Projektportfoliomanagement, PMO, Projektmethoden oder operative Projektunterstützung: Entscheidend ist nicht die Einführung eines Standards, sondern dessen tatsächliche Wirksamkeit im Unternehmensalltag. Dabei verbinden wir strategische Beratung mit operativer Verantwortung und begleiten Projekte dort, wo sie den größten Hebel entfalten.

Veränderung gelingt nur mit den Menschen

Technologie lässt sich vergleichsweise schnell einführen. Akzeptanz dagegen entsteht nicht durch Schulungen oder Prozesshandbücher allein. Projekte werden dann erfolgreich, wenn Mitarbeitende den Sinn einer Veränderung verstehen und Führungskräfte diese glaubwürdig vorleben.

Besonders bei Transformationsprojekten zeigt sich deshalb immer wieder, dass Change Management kein Begleitprozess, sondern ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist. Kommunikation, Multiplikatoren und klare Verantwortlichkeiten entscheiden darüber, ob neue Lösungen tatsächlich genutzt werden oder lediglich eingeführt wurden.

Weniger Perfektion, mehr Wirkung

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis dieser Podcast-Folge lautet: Gute Entscheidungen entstehen weder durch maximale Geschwindigkeit noch durch maximale Absicherung. Sie entstehen dort, wo Führungskräfte den Kontext verstehen, klare Leitplanken schaffen und Verantwortung übernehmen.

Genau dabei unterstützt Corivus Unternehmen seit über 25 Jahren. Wir helfen Organisationen dabei, Projektmanagement pragmatisch weiterzuentwickeln, Transparenz zu schaffen und Projekte wieder handlungsfähig zu machen, von der strategischen Ausrichtung des Projektportfolios über leistungsfähige PMO-Strukturen bis hin zur operativen Unterstützung in kritischen Projektsituationen. Denn erfolgreiche Projekte brauchen nicht mehr Komplexität. Sie brauchen die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt.


Kapitel 

ZeitstempelThema
00:00Einleitung: Warum Entscheidungsprozesse im Fokus stehen
01:56Der Einfluss der Unternehmensgröße auf Entscheidungsfindung
03:57Schnelle Entscheidungen im Mittelstand: Beispiele und Herausforderungen
08:59Risiko, Geschwindigkeit und Nutzen: Wo liegt die Grenze?
12:47Verantwortung und Verantwortungsübernahme in der Praxis
15:53Vertrauen statt Prozesse: Wann ist es sinnvoll?
20:01Kulturwandel: Vom Konzern in den Mittelstand
23:59Governance im Mittelstand: Was ist notwendig?
28:54Fehlerkultur und Verantwortungsübernahme
34:07Fazit: Was braucht eine gute Entscheidungskultur?

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Gast der Episode:

Dr. Frank Scholz ist Geschäftsführer Digital und IT der CITTI Unternehmensgruppe und verantwortet die digitale Transformation sowie die strategische Weiterentwicklung der IT. Nach vielen Jahren in internationalen Konzernstrukturen wechselte er 2018 in den Mittelstand und verbindet heute methodische Exzellenz aus der Konzernwelt mit der hohen Entscheidungs- und Umsetzungsgeschwindigkeit eines familiengeführten Unternehmens.

Sein Schwerpunkt liegt auf der erfolgreichen Umsetzung komplexer IT-Transformationsprogramme, dem Aufbau leistungsfähiger Digitalorganisationen sowie der konsequenten Ausrichtung von Technologie an den Anforderungen des Business. Dabei verfolgt er einen pragmatischen Ansatz: Digitalisierung muss messbaren Nutzen schaffen, Veränderungen müssen von den Menschen getragen werden und IT muss das Geschäft befähigen, nicht verwalten.
 

Host des Podcasts:

Christian Dürk ist Host des Podcast und Vorstand von Corivus. Er hat mehr als 20 Jahre Erfahrung im Management komplexer IT- und Organisationsprojekte.

Sein besonderes Steckenpferd ist der Spagat zwischen kurzfristigem Drehen eines Projekts und seiner langfristigen Organisation - insbesondere einer zukunftsfähigen Personalplanung, die das dauerhafte Funktionieren eines Bereichs sichert.