Die neue Folge von Projektmanagement im Glas widmet sich einem drängenden Thema in der Projektlandschaft vieler Unternehmen: Projektportfoliomanagement unter zunehmendem externen und internen Druck. Host Christian Dürk spricht dazu mit Roger Butz, Senior Projektmanager bei der Corivus AG. Gemeinsam beleuchten sie, wie geopolitische Unsicherheiten, wirtschaftliche Entwicklungen, technologische Trends und regulatorische Anforderungen die Projektpriorisierung verändern und wie Unternehmen diesen Herausforderungen systematisch begegnen können.
Einflussfaktoren auf Projektportfolios
Roger beschreibt zu Beginn der Folge, dass sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren „dramatisch geändert“ haben. Er benennt mehrere zentrale Einflussfaktoren:
1. Weltpolitische Unsicherheiten
Geopolitische Spannungen, etwa durch Kriege, erzeugen Unsicherheiten, die sich direkt auf Investitionsentscheidungen und Risikobewertungen im Projektportfolio auswirken.
2. Volatile Konjunktur und Energiepreise
Steigende Energiepreise und sinkende Exporte schwächen den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Folge: Unternehmen werden vorsichtiger bei Investitionen in neue oder risikobehaftete Projekte.
3. Künstliche Intelligenz (KI)
KI-Projekte drängen verstärkt in die Projektportfolios – sowohl aus Effizienzüberlegungen als auch durch einen gewissen „Me-Too-Effekt“. Gleichzeitig kann KI helfen, Projekte besser zu analysieren und zu priorisieren.
4. Demografischer Wandel und Fachkräftemangel
Der Ruhestand der Babyboomer-Generation wirkt sich spürbar auf die Ressourcenplanung aus. Bestimmte Skills werden zum Engpassfaktor, was unmittelbare Auswirkungen auf Projektauswahl, Zeitplanung und Rollenarchitekturen hat.
5. Regulatorische Anforderungen
Compliance-Vorgaben wie NIS2, DORA oder branchenbezogene Regulierungen erhöhen den Druck auf Unternehmen, entsprechende Projekte umzusetzen.
Konsequenzen für das Projektportfoliomanagement
In der Folge wird klar: Unternehmen müssen ihre Projektportfolios mit deutlich mehr Systematik und Flexibilität managen. Roger beschreibt warum ein vollständiger Überblick über alle Projektideen und Anforderungen weiterhin essenziell ist, denn „nur wer Überblick hat, kann auch gestalten“. Diese Regel bleibt trotz aller Neuerungen gültig.
Angesichts geringerer Renditen und höherer Unsicherheiten rücken Kriterien wie ROI, strategische Bedeutung und Risikobewertung stärker in den Fokus. Projekte ohne klaren Nutzen haben es schwer, erfolgreich abgeschlossen zu werden und einen tatsächlichen Mehrwert zu schaffen.
Moderne Projektportfolios: Kurz, agil und richtig gewählt
Kleinere, klar abgrenzbare Projekte mit schneller Wirkung sind zunehmend gefragt. In unsicheren Zeiten will man keine langlaufenden Investitionen riskieren.
Unternehmen müssen ihre Portfolios häufiger überprüfen – idealerweise quartalsweise oder sogar monatlich. Dabei hilft eine „Agilisierung“ der Portfoliosteuerung, um schnell auf neue Rahmenbedingungen zu reagieren. Gerade mit Blick auf altersbedingte Personalabgänge ist es wichtig, Rollen und Verantwortlichkeiten vorausschauend zu planen. Nachfolgeplanung und Skillmanagement müssen in Projekte „mitgedacht“ werden.
So funktioniert Projektportfoliomanagement
Christian und Roger gehen auch auf die Grundprinzipien eines funktionierenden Projektportfoliomanagements ein. Während sich das klassische Projektmanagement mit dem „richtigen Tun“ beschäftigt, geht es im Portfoliomanagement um das „Tun der richtigen Dinge“.
Vier typische Anforderungskanäle
- Geschäftsleitung/Vorstand: Strategische Großprojekte, oft innovationsgetrieben.
- Fachbereiche/Standorte: Operativ getriebene Projekte, teilweise mit “Silo-Denken”.
- Compliance/Regulatorik: Pflichtprojekte, etwa durch Gesetzgebung oder Prüfungen.
- IT und IT-Security: Lifecycle-Management, Refactoring und technische Notwendigkeiten.
Die Kunst der Priorisierung
Die Herausforderung liegt darin, Projekte aus allen Kanälen vergleichbar zu machen – über Kriterien wie Kosten, Nutzen, Kundennutzen, Wettbewerbsfähigkeit oder strategische Relevanz. Erst dann lassen sich fundierte Entscheidungen treffen, idealerweise im Rahmen eines strukturierten Entscheidungsdialogs mit Management und Fachbereichen.
Wichtig dabei ist: Projektportfoliomanagement ist immer unternehmensindividuell. Vorgefertigte Tools oder universelle Methoden greifen zu kurz. Es braucht maßgeschneiderte Prozesse und Strukturen, die zur Größe, Branche und Kultur des Unternehmens passen.
Veranstaltungstipp: Corivus Summit 2025
Welche Herausforderungen in Ihrem Projektportfolio beschäftigen Sie gerade? Diskutieren Sie am 18. September 2025 auf dem Corivus Summit 2025 mit IT-Entscheidern aus Unternehmen wie CITTI oder Roche. Thema in diesem Jahr: „Projektportfolio und der Druck – Priorisieren mit System“
Die Veranstaltung richtet sich an CIOs, CEOs, Projekt- und Portfoliomanager und alle IT-Entscheider. Neben Impulsvorträgen bietet der Corivus Summit Workshop-Sessions zum Austausch mit anderen Unternehmen – die Gelegenheit, eigene Herausforderungen zu reflektieren und neue Lösungen zu entdecken.
Alle Informationen finden Sie hier.
Kapitel
| Zeitstempel | Thema |
|---|---|
| 00:00 | Einführung in das Projektportfoliomanagement |
| 03:09 | Einflussfaktoren auf Projektportfolios |
| 06:10 | Demografischer Wandel und Ressourcenplanung |
| 09:03 | Priorisierung und ROI in Projekten |
| 12:02 | Projektportfoliomanagement im Detail |
| 15:06 | Entscheidungsfindung im Projektportfolio |
| 18:11 | Corivus Summit und Networking |
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