Auf dem Bild sind die Hände mehrere Personen zu sehen, die mit Stiften auf Diagramme und Schaubilder auf ausgedruckten Dokumenten auf einem Tisch zeigen. Die Diagramme und Schaubilder haben einen Projektbezug. Im Vordergrund rechts befindet sich ein abgeschaltetes Tablet. Links im Bild befindet sich ein stilisiertes Mikrofon-Symbol, rechts unten eine Podcast-Grafik mit der Aufschrift „Projektmanagement im Glas“ mit Christian Dürk. Die Gestaltung des Bildes kombiniert Fotografie mit grafischen Elementen in Blau- und Orangetönen.

#71 Projektportfolio unter Druck: Priorisieren mit System

Christian Dürk und Roger Butz widmen sich dem immer mehr unter Druck geratenden Projektportfolio.

Die neue Folge von Projektmanagement im Glas widmet sich einem drängenden Thema in der Projektlandschaft vieler Unternehmen: Projektportfoliomanagement unter zunehmendem externen und internen Druck. Host Christian Dürk spricht dazu mit Roger Butz, Senior Projektmanager bei der Corivus AG. Gemeinsam beleuchten sie, wie geopolitische Unsicherheiten, wirtschaftliche Entwicklungen, technologische Trends und regulatorische Anforderungen die Projektpriorisierung verändern und wie Unternehmen diesen Herausforderungen systematisch begegnen können.

Einflussfaktoren auf Projektportfolios

Roger beschreibt zu Beginn der Folge, dass sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren „dramatisch geändert“ haben. Er benennt mehrere zentrale Einflussfaktoren:

1. Weltpolitische Unsicherheiten

Geopolitische Spannungen, etwa durch Kriege, erzeugen Unsicherheiten, die sich direkt auf Investitionsentscheidungen und Risikobewertungen im Projektportfolio auswirken.

2. Volatile Konjunktur und Energiepreise

Steigende Energiepreise und sinkende Exporte schwächen den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Folge: Unternehmen werden vorsichtiger bei Investitionen in neue oder risikobehaftete Projekte.

3. Künstliche Intelligenz (KI)

KI-Projekte drängen verstärkt in die Projektportfolios – sowohl aus Effizienzüberlegungen als auch durch einen gewissen „Me-Too-Effekt“. Gleichzeitig kann KI helfen, Projekte besser zu analysieren und zu priorisieren.

4. Demografischer Wandel und Fachkräftemangel

Der Ruhestand der Babyboomer-Generation wirkt sich spürbar auf die Ressourcenplanung aus. Bestimmte Skills werden zum Engpassfaktor, was unmittelbare Auswirkungen auf Projektauswahl, Zeitplanung und Rollenarchitekturen hat.

5. Regulatorische Anforderungen

Compliance-Vorgaben wie NIS2, DORA oder branchenbezogene Regulierungen erhöhen den Druck auf Unternehmen, entsprechende Projekte umzusetzen.

Konsequenzen für das Projektportfoliomanagement

In der Folge wird klar: Unternehmen müssen ihre Projektportfolios mit deutlich mehr Systematik und Flexibilität managen. Roger beschreibt warum ein vollständiger Überblick über alle Projektideen und Anforderungen weiterhin essenziell ist, denn „nur wer Überblick hat, kann auch gestalten“. Diese Regel bleibt trotz aller Neuerungen gültig.

Angesichts geringerer Renditen und höherer Unsicherheiten rücken Kriterien wie ROI, strategische Bedeutung und Risikobewertung stärker in den Fokus. Projekte ohne klaren Nutzen haben es schwer, erfolgreich abgeschlossen zu werden und einen tatsächlichen Mehrwert zu schaffen.

Moderne Projektportfolios: Kurz, agil und richtig gewählt

Kleinere, klar abgrenzbare Projekte mit schneller Wirkung sind zunehmend gefragt. In unsicheren Zeiten will man keine langlaufenden Investitionen riskieren. 

Unternehmen müssen ihre Portfolios häufiger überprüfen – idealerweise quartalsweise oder sogar monatlich. Dabei hilft eine „Agilisierung“ der Portfoliosteuerung, um schnell auf neue Rahmenbedingungen zu reagieren. Gerade mit Blick auf altersbedingte Personalabgänge ist es wichtig, Rollen und Verantwortlichkeiten vorausschauend zu planen. Nachfolgeplanung und Skillmanagement müssen in Projekte „mitgedacht“ werden.

So funktioniert Projektportfoliomanagement

Christian und Roger gehen auch auf die Grundprinzipien eines funktionierenden Projektportfoliomanagements ein. Während sich das klassische Projektmanagement mit dem „richtigen Tun“ beschäftigt, geht es im Portfoliomanagement um das „Tun der richtigen Dinge“.

Vier typische Anforderungskanäle

  • Geschäftsleitung/Vorstand: Strategische Großprojekte, oft innovationsgetrieben.
  • Fachbereiche/Standorte: Operativ getriebene Projekte, teilweise mit “Silo-Denken”.
  • Compliance/Regulatorik: Pflichtprojekte, etwa durch Gesetzgebung oder Prüfungen.
  • IT und IT-Security: Lifecycle-Management, Refactoring und technische Notwendigkeiten.

Die Kunst der Priorisierung

Die Herausforderung liegt darin, Projekte aus allen Kanälen vergleichbar zu machen – über Kriterien wie Kosten, Nutzen, Kundennutzen, Wettbewerbsfähigkeit oder strategische Relevanz. Erst dann lassen sich fundierte Entscheidungen treffen, idealerweise im Rahmen eines strukturierten Entscheidungsdialogs mit Management und Fachbereichen.

Wichtig dabei ist: Projektportfoliomanagement ist immer unternehmensindividuell. Vorgefertigte Tools oder universelle Methoden greifen zu kurz. Es braucht maßgeschneiderte Prozesse und Strukturen, die zur Größe, Branche und Kultur des Unternehmens passen.

Veranstaltungstipp: Corivus Summit 2025

Welche Herausforderungen in Ihrem Projektportfolio beschäftigen Sie gerade? Diskutieren Sie am 18. September 2025 auf dem Corivus Summit 2025 mit IT-Entscheidern aus Unternehmen wie CITTI oder Roche. Thema in diesem Jahr: „Projektportfolio und der Druck – Priorisieren mit System“

Die Veranstaltung richtet sich an CIOs, CEOs, Projekt- und Portfoliomanager und alle IT-Entscheider. Neben Impulsvorträgen bietet der Corivus Summit Workshop-Sessions zum Austausch mit anderen Unternehmen – die Gelegenheit, eigene Herausforderungen zu reflektieren und neue Lösungen zu entdecken.

Alle Informationen finden Sie hier.


Kapitel 

ZeitstempelThema
00:00Einführung in das Projektportfoliomanagement
03:09Einflussfaktoren auf Projektportfolios
06:10Demografischer Wandel und Ressourcenplanung
09:03Priorisierung und ROI in Projekten
12:02Projektportfoliomanagement im Detail
15:06Entscheidungsfindung im Projektportfolio
18:11Corivus Summit und Networking

Möchten Sie uns Feedback geben oder haben Sie eine Frage zum Projektmanagement oder zu Projekten, die wir im Podcast beantworten sollen?
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Gast der Episode:

Roger Butz ist seit 2018 als Senior Projektmanager für Corivus tätig. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in unterschiedlichsten IT-Rollen, davon über 10 Jahre in leitenden Funktionen in einem der DAX-Unternehmen. Seine Beratungsschwerpunkte umfassen die Bereiche Projekt- und Projektportfoliomanagement, die Transformation der IT zu einer pragmatischen und zukunftsorientierten Ausrichtung sowie Enterprise Architecture Management. 

Host des Podcasts:

Christian Dürk ist Host des Podcast und Vorstand von Corivus. Er hat mehr als 20 Jahre Erfahrung im Management komplexer IT- und Organisationsprojekte.

Sein besonderes Steckenpferd ist der Spagat zwischen kurzfristigem Drehen eines Projekts und seiner langfristigen Organisation - insbesondere einer zukunftsfähigen Personalplanung, die das dauerhafte Funktionieren eines Bereichs sichert.