Ein aufgeklappter Laptop im linken Bereich zeigt ein Chart mit Balkendiagram. Im rechten Bereich ist ein A4-Blatt mit Ausdrucken von weiteren Kreis- und Balkendiagrammen zu sehen. Links im Bild befindet sich ein stilisiertes Mikrofon-Symbol, rechts unten eine Podcast-Grafik mit der Aufschrift „Projektmanagement im GLAS“ mit Christian Dürk. Die Gestaltung des Bildes kombiniert Fotografie mit grafischen Elementen in Blau- und Orangetönen.

#81 Projektmanagement Trends 2026: Warum Entscheidungsfähigkeit Methodik schlägt

Die Projekt-Experten Christian Dürk und Marcus Fleckenstein diskutieren Projektmanagementtrends 2026 und was Organisationen jetzt vorbereiten müssen.

In dieser Insight-Episode analysieren wir die zentralen Projektmanagement-Trends für 2026 und zeigen, warum methodische Exzellenz allein nicht mehr ausreicht. Entscheidend ist, wie Organisationen Entscheidungen treffen, Prioritäten setzen und begrenzte Kapazitäten steuern – insbesondere in einem Umfeld zunehmender Unsicherheit, Digitalisierung und KI-Unterstützung.

Die diskutierten Thesen richten sich an IT-Entscheider, Projektleiter, PMOs und Führungskräfte, die Projektarbeit nicht nur effizient, sondern strategisch wirksam gestalten wollen. Dabei geht es nicht um neue Tools oder Frameworks, sondern um grundlegende Erfolgsfaktoren moderner Projektarbeit.

Die folgenden Abschnitte fassen die wichtigsten Erkenntnisse aus der Episode zusammen und ordnen sie praxisnah ein – ergänzt um konkrete Handlungsempfehlungen für Organisationen, die sich frühzeitig auf die Anforderungen von 2026 vorbereiten möchten.

Rückblick auf die Projektmanagement Trends 2025

Zu Beginn der Diskussion blicken Christian und Marcus auf die fünf Thesen des Vorjahres zurück: Budget Restriktion, hybrides Projektmanagement, Ende-zu-Ende-Sicht, KI im Projektmanagement sowie Wissen und Mindset. 

Marcus resümiert, dass diese Themen fachlich korrekt und weiterhin relevant sind, jedoch zu kurz greifen. Der Fokus lag überwiegend auf dem „Was“ – also auf Methoden, Modellen und Konzepten – und weniger auf dem „Warum“ der fehlenden Umsetzung in der Praxis. Der eigentliche Engpass liegt demnach nicht im fehlenden Wissen, sondern in der konsequenten Anwendung im Projektalltag. Organisationen wissen häufig, was zu tun wäre, scheitern jedoch an der Umsetzung.

Hybrides Arbeiten ist zum Standard geworden

Das Thema hybrides Arbeiten hat sich laut den Experten etabliert und ist heute kein Differenzierungsfaktor mehr, sondern der Standard. 

Die Teams haben für sich passende Arbeitsrhythmen gefunden, und die Frage nach dem „Ob“ stellt sich nicht mehr. Bereits in den Projektmanagement-Trends 2024 wurde festgestellt, dass hybrides Arbeiten zur Normalität geworden ist. 2025 bestätigt sich diese Einschätzung: Der Mehrwert entsteht nicht mehr durch die Entscheidung für hybride Modelle, sondern durch deren konsequente und kontextgerechte Ausgestaltung.

KI im Projektmanagement: Eine ernüchternde Realität

Obwohl Künstliche Intelligenz (KI) im Projektmanagement allgegenwärtig ist und nahezu alle Tools KI-Erweiterungen bieten, fällt das Fazit insbesondere im Kontext großer und komplexer Projekte ernüchternd aus. Der erhoffte entlastende Mehrwert ist bislang ausgeblieben. 

Die Arbeitslast des Projektleiters wird nicht reduziert, sondern vielmehr verlagert. Der erhoffte große Effekt, dass Aufgaben komplett wegfallen, hat sich  nicht erfüllt. Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist jedoch sehr hoch, weshalb die beiden das Thema weiterhin aufmerksam beobachten. Die Relevanz bleibt bestehen – der tatsächliche Nutzen im Projektalltag ist jedoch bislang begrenzt.

Wissen, Mindset und Methodik

Die methodische Grundsatzdebatte zwischen Agilität und Wasserfall ist ebenfalls beendet. Hybrides Vorgehen ist das neue Normal. Entscheidend ist nicht das Label, sondern der bewusste und situationsgerechte Einsatz der Modelle je nach Kontext, Projektphase und Zielsetzung. Die zentrale Herausforderung liegt in der reflektierten und nicht-dogmatischen Anwendung, insbesondere in der Verknüpfung von Top-down-Vorgaben (oft Wasserfall) und Bottom-up-Umsetzung (häufig agil geprägt).

Das Thema Wissen und Mindset bleibt dabei ein zentraler Engpass. Der demografische Wandel verschärft den Verlust von Erfahrung in Organisationen. Marcus betont, dass unternehmerisches Denken im Projektmanagement ein zentraler Erfolgsfaktor ist. Die Weitergabe und Verteilung von Wissen ist heute ein Hygienefaktor – entscheidend ist, wie dieses Wissen im Projektkontext wirksam angewendet wird.

Die 5 zentralen Thesen für das Projektmanagement 2026

Christian und Marcus leiten aus ihrer Analyse fünf Thesen ab, die die zentralen Herausforderungen für Organisationen im Jahr 2026 darstellen.

These 1: Entscheidungsfähigkeit schlägt Methodik

Einer der zentralen Projektmanagement-Trends 2026 ist die wachsende Bedeutung von Entscheidungsfähigkeit: Entscheidungsfähigkeit schlägt Methodik. Organisationen verfügen heute über eine Vielzahl von Methoden, Frameworks und Best Practices – scheitern jedoch häufig nicht an fehlendem Wissen oder der fehlenden Methodik, sondern an langsamen oder inkonsistenten Entscheidungen.

Christian und Marcus beobachten jedoch, dass Organisationen erfolgreicher sind, die schnell und klar Entscheidungen treffen, als jene, die zwar die Methodik perfekt umsetzen, aber zögerlich in der Entscheidungsfindung sind. Entscheidungen werden oft vertagt oder Verantwortung verlagert, Verantwortlichkeiten verschoben oder auf zusätzliche Informationen gewartet – in der Hoffnung, Unsicherheit zu reduzieren. Methodische Perfektion ersetzt keine Entscheidung.

Die beiden plädieren für klare Entscheidungen unter Unsicherheit und ergänzen das agile Prinzip „Fail fast“ um den Zusatz „Fail fast, aber konsequent“. Wenn ein Vorgehen getestet wurde und nicht funktioniert, muss konsequent die Reißleine gezogen werden. Statt Perfektion steht Handlungsfähigkeit im Vordergrund. Entscheidungsfähigkeit wird damit zu einem zentralen Erfolgsfaktor im Projektmanagement 2026.

(Höre dazu auch #83 Warum bewusste Entscheidungen der Schlüssel zum Projekterfolg sind)

These 2: Ende-zu-Ende-Mandate statt Ende-zu-Ende-Rollen

Die zweite These fokussiert erneut auf die Ende-zu-Ende-Verantwortung, jedoch mit einem neuen Blickwinkel. Es geht weniger um eine einzelne Rolle, die den gesamten Prozess überblickt, als vielmehr um ein klar definiertes Mandat und die Verantwortung für klare Entscheidungen sowie geeignete Eskalationsmechanismen. Da Prozesse in modernen Organisationen häufig zu komplex sind, um von einer Einzelperson vollständig getroffen zu werden, verteilen sich Verantwortlichkeiten fragmentierter Prozessabschnitte auf mehrere Rollen und Einheiten. Entscheidend ist daher, dass diese Prozessveranwortlichen gut miteinander kommunizieren und klar miteinander abgestimmt sind und wissen, wann Entscheidungen eigenständig getroffen werden können und wann eine Eskalation erforderlich ist. 

Die Herausforderung liegt darin, das richtige Maß zu finden: Wann reicht eine Abstimmung im kleinen Kreis aus – und wann ist eine Entscheidung auf höherer Ebene notwendig? Projektmanagement 2026 erfordert genau diese Klarheit in Mandaten und Entscheidungswegen.

These 3: Ende-zu-Ende-Toolübersicht

Die dritte These befasst sich mit der Tool-Landschaft in Organisationen. Relevante Informationen sind meist vorhanden, werden jedoch selten strukturiert aufbereitet und damit nicht wirksam genutzt. Christian und Marcus beobachten häufig, dass Tools von einzelnen Teams oder Abteilungen isoliert implementiert werden. Ergebnis ist ein „Flickenteppich“ aus Sstemen, der zustäzlichen Koordinationsaufwand erzeugt, statt echte Entlastung zu schaffen. Eine wirksame Tool-Landschaft entsteht erst, wenn Tools von Anfang an Ende-zu-Ende gedacht, implementiert und eingesetzt werden. 

Dafür braucht es eine bewusste Top-down-Entscheidung: Vor der Einführung müssen KPIs, Abstraktionslayer und Management-Sichten definiert werden. Eine einheitliche Guideline zur Tool-Nutzung ist essenziell, um Statusberichte zu automatisieren und Transparenz über Projekte hinweg zu schaffen. Erst dann entsteht ein echter Mehrwert für das Projektmanagement.

These 4: KI verschärft die Verantwortungsfrage

Die vierte These greift das Thema Künstliche Intelligenz auf und stellt klar: KI verschärft die Verantwortungsfrage. Zwar kann KI Entscheidungen sehr gut vorbereiten, Analysen liefern und Muster erkennen, sie zwingt Organisationen jedoch dazu, Verantwortung neu zu definieren.

Unklare Zuständigkeiten und fehlende Verantwortungsmodelle führen dazu, dass Unsicherheit nicht reduziert, sondern verstärkt wird. Das organisatorische Rahmenwerk wird damit entscheidender als die Technologie selbst. Die Frage, wer die Verantwortung für die auf KI-Informationen basierenden Entscheidungen trägt und wer für die Datenqualität und Richtigkeit der Daten verantwortlich ist, muss klar beantwortet sein. 

Nur wenn hohe Ansprüche an die Datenpflege mit klaren Verantwortlichkeiten kombiniert werden, kann KI im Projektmanagement 2026 einen nachhaltigen Beitrag leisten.

These 5: Kapazitätsmanagement als strategischer Erfolgsfaktor

Die fünfte These dreht sich um das Kapazitätsmanagement. Viele Unternehmen verfolgen zu viele Initiativen bei gleichzeitig begrenzten Ressourcen und setzen oft die falschen Prioritäten. Die Folge sind überlastete Teams, verzögerte Projekte und sinkende Qualität. 

Christian und Marcus betonen, dass Kapazitätsmanagement eine strategische Management-Aufgabe ist. Im Sinne des Projektportfoliomanagements muss top-down entschieden werden, welche Initiativen bewusst verfolgt werden – und welche nicht.
Die Fähigkeit, bewusst „Nein“ zu sagen, wird damit zu einem zentralen Erfolgsfaktor.

Nur durch klare Priorisierung und einen realistischen Umgang mit Kapazitäten können Organisationen Fokus behalten und nachhaltige Projekterfolge erzielen.

Fazit und Handlungsempfehlung für 2026

Christian und Marcus sind sich einig, dass die Projektmanagement-Trends, die sie bereits 2025 identifiziert haben, weiterhin die fachliche Grundlage bilden. Sie sind jedoch kein Differenzierungsfaktor mehr. Methoden, Modelle und Werkzeuge sind in vielen Organisationen bekannt – der entscheidende Hebel liegt heute nicht mehr im Was, sondern im Warum und damit im Wie der konsequenten Anwendung.

Der Fokus verschiebt sich von der Diskussion über Frameworks hin zur Fähigkeit, klare Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben. Projektmanagement 2026 ist damit weniger eine Frage der Methodik als eine Frage von Führung, Priorisierung und Konsequenz im Alltag.

Marcus bringt diesen Perspektivwechsel auf den Punkt: „Weniger über Methoden sprechen, klarer entscheiden.“

Für Organisationen bedeutet das: weniger neue Methoden einführen – und stattdessen Entscheidungswege, Verantwortlichkeiten und Prioritäten konsequent klären.

Unser Beratungsansatz setzt genau an diesem Punkt an: Wir unterstützen Organisationen dabei, Entscheidungsfähigkeit, klare Mandate und wirksames Kapazitäts- und Portfoliomanagement im Projektkontext zu verankern – jenseits reiner Methodenfragen.


Kapitel 

ZeitstempelThema
00:00Einführung in die Projektmanagement-Trends 2026
03:02Rückblick auf die Thesen von 2025
05:59Hybrides Arbeiten und seine Etablierung
09:13Ende-zu-Ende Verantwortung im Projektmanagement
12:02Künstliche Intelligenz im Projektmanagement
15:00Agilität vs. Wasserfall: Ein hybrider Ansatz
17:57Wissen und Mindset als Erfolgsfaktoren
21:04Entscheidungsfähigkeit schlägt Methodik
24:07Kapazitätsmanagement und Priorisierung
26:54Die Rolle der KI im Projektmanagement
30:06Fazit und Ausblick auf 2026

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Gast der Episode:

Marcus Fleckenstein ist Senior Consultant bei Corivus. Er bringt umfassende Expertise aus IT- und Organisationsprojekten ein.

Host des Podcasts:

Christian Dürk ist Host des Podcast und Vorstand von Corivus. Er hat mehr als 20 Jahre Erfahrung im Management komplexer IT- und Organisationsprojekte.

Sein besonderes Steckenpferd ist der Spagat zwischen kurzfristigem Drehen eines Projekts und seiner langfristigen Organisation - insbesondere einer zukunftsfähigen Personalplanung, die das dauerhafte Funktionieren eines Bereichs sichert.