In dieser Episode spricht Gastgeber Christian Dürk mit Jasmin Mathäß, Diplom-Psychologin und erfahrene Führungskraft im Technologiebereich eines großen europäischen Handelsunternehmens. Seit über 20 Jahren beschäftigt sie sich mit Projekten, Prozessen und methodischer Steuerung – heute verantwortet sie unter anderem Projektsteuerung, Effizienzprozesse und Methodenkompetenz. Gemeinsam tauchen die beiden tief in die Praxis erfolgreicher und weniger erfolgreicher Projekte ein und analysieren, was wirklich zählt, wenn Projekte nicht nur durchgeführt, sondern auch abgeschlossen werden sollen – und das auch noch erfolgreich.
Warum Projekte (immer noch) scheitern
Christian und Jasmin stellen sich die Frage: Warum tun sich viele Unternehmen weiterhin schwer mit Projekten, obwohl Projektarbeit als Herzstück moderner Transformation gilt? Jasmin benennt klare Ursachen: Fehlende Zieldefinitionen, mangelhafte Strukturierung zu Projektbeginn, unklare Rollenverteilungen und ein oft missverstandener Umgang mit hybriden Methoden. Besonders problematisch ist dabei die Annahme, dass Projektziele allen Beteiligten ohnehin klar sind – was in der Realität oft zu einem erheblichen Auseinanderklaffen der Erwartungen führt.
Besonders kritisch betrachten die beiden die Herausforderungen in hybriden Projekten. Dort treffen klassische Anforderungen wie harte Deadlines und Budgetgrenzen auf agile Methoden, deren Flexibilität oft nicht sauber in das Gesamtprojekt integriert ist. Die Folge: Kommunikationsprobleme, unklare Entscheidungsprozesse und ein hoher Steuerungsaufwand. Ein zentraler Fehler ist es, hybride Projekte entweder als agil oder klassisch zu behandeln – anstatt die Komplexität dieser Mischform anzuerkennen und methodisch aktiv zu begleiten.
Ein wiederkehrender Punkt ist der Umgang mit Kommunikation. Christian macht deutlich: Projektkommunikation ist kein Randthema, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor. Sie beeinflusst den Projekterfolg mit bis zu 90 Prozent. Dennoch wird Kommunikation häufig stiefmütterlich behandelt – gerade in digitalen Projekten, in denen Change Management als „emotionales Beiwerk“ betrachtet und gerne mal an den Praktikanten delegiert wird. Jasmin berichtet aus eigener Erfahrung, wie eine fehlerhafte Kommunikationsstrategie selbst gut geplante Projekte aus der Bahn werfen kann.
Neue Rollen für mehr Projekterfolg
Ein Highlight dieser Episode ist die Vorstellung neuer Rollenmodelle zur Qualitätssicherung im Projektverlauf. Jasmin erklärt das Konzept des Exit Champions – eine externe, neutrale Instanz mit dem Mandat, Projekte aus kritischer Distanz zu bewerten und bei Bedarf den Kurs zu korrigieren oder sogar einen Projektstopp zu initiieren. Diese Rolle sei besonders bei Großprojekten mit hoher Komplexität unverzichtbar. Unterstützt wird dieses Modell durch die Rolle des Projektcoaches, der Projektleitende methodisch begleitet, blinde Flecken aufzeigt und für mehr Struktur und Reflexion sorgt. Sollte es dennoch kritisch werden, greift das Reset-Team ein, welches Projekte gezielt neu ausrichtet.Wann ein Projekt-Reset tatsächlich sinnvoll ist, haben Christian Dürk und Armin Süsser in einem eigenenPodcast ausführlich beleuchtet: Projekt-Reset – macht das wirklich Sinn?)
Christian und Jasmin betonen zudem die Wichtigkeit der klaren Definition von Rollen und Verantwortlichkeiten. In vielen Projekten fehlen transparente Zusammenarbeitsmodelle. Aufgaben und Entscheidungsbefugnisse bleiben unklar, werden nicht verschriftlicht oder regelmäßig reflektiert. Die Folge sind weiße Flecken auf der Projektlandkarte oder Entscheidungsstaus durch zu viele Köche in einem Topf. Nur durch gezielte Arbeit an Rollenmodellen, z. B. mit einem „Role Model Canvas“, lassen sich diese Schwächen vermeiden – auch wenn das bedeutet, explizit und wiederholt über vermeintlich Selbstverständliches zu sprechen.
Projektarbeit ist kein Zufallsprodukt
Christian und Jasmin machen klar: Projekte scheitern nicht an fehlenden Tools oder Methoden – sondern an der fehlenden Anwendung derselben. Der Erfolg liegt in der konsequenten Anwendung einfacher Prinzipien: saubere Zieldefinitionen, echte Kommunikation, reflektiertes Methodendesign, klare Rollenverteilung und kontinuierliches Nachjustieren. Und ja, ein bisschen Glück gehört dazu – aber gut strukturierte Projekte helfen, auch den Faktor Zufall strategisch zu steuern.
Kapitel
| Zeitstempel | Thema |
|---|---|
| 00:00 | Einführung in das Projektmanagement |
| 03:14 | Die Herausforderungen im Projektmanagement |
| 06:01 | Die Bedeutung von Kommunikation und Change Management |
| 08:58 | Rollen und Verantwortlichkeiten im Projektteam |
| 11:54 | Der Exit-Champion und das Reset-Team |
| 15:00 | Der Projektcoach und seine Rolle |
| 18:06 | Schlussfolgerungen und Ausblick |
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